Sonntagskino
"Tuya's Hochzeit"
3.2., 20.oo Uhr

 

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Ein Film von WANG Quan’an (Originaltitel: Tu ya de hun shi) Mit YU Nan, Bater, Baolier, Senge Volksrepublik China 2006, 96 Min., 35mm, 1:1.85,

Besetzung
YU Nan. . . . . . . . . Tuya
Bater . . . . . . . . . . Bater
Baolier . . . . . . . . . . Baolier
Zhaya . . . . . . . . . . Zhaya

Regie . . . . . . . . . . WANG Quan’an Produktionsleiter . YUAN Han Yuan,                              WANG Le
Produzent . . . . . . . YAN Ju Gang
Ko-Produzent . . . . ZHANG De Hang Drehbuch . . . . . . . WANG Quan’an,                                LU Wie
Kamera . . . . . . . . . Lutz Reitemeier Licht . . . . . . . . . . Danil
Szenenbild . . . . . . WEI Tao
Ton . . . . . . . . . . JIANG Peng

Tuya ist die schöne und standhafte Ehefrau von Bater, einem Hirten, der beide Beine verlor, als er auf der Suche nach Wasser in den weiten Steppen der Inneren Mongolei unterwegs war. So muss Tuya nun allein für Bater und ihre zwei Kinder sorgen. Die harte Arbeit setzt ihr merklich zu, bis sie eines Tages krank wird. Angesichts der ernsten Lage beschließt das Paar, sich scheiden zu lassen, damit Tuya jemanden suchen kann, der ihr hilft, die Familie zu versorgen. Die Anwärter sind zahlreich, doch keiner möchte sich um Bater kümmern, so wie Tuya es fordert. Auf ihrer Suche nach einem neuen Ehemann begegnet die selbstbewusste und sturköpfige, aber ebenso sanfte und sensible Tuya Freiern, die reich aber unehrlich, liebenswert aber schüchtern sind. Schließlich trifft sie ihre Wahl, und ihr neuer Mann lässt Bater in ein Pflegeheim in die Stadt überweisen. Doch Bater verzweifelt immer mehr an seiner Sehnsucht nach Tuya und den Kindern und zwingt Tuya abermals zum Handeln ...

TUYAS HOCHZEIT ist ein Film über das bäuerliche Leben in den ländlichen Regionen Chinas am Rande der schnelllebigen Gesellschaft, in einem Gebiet, wo die Zeit still zu stehen scheint und das Dasein sich ausschließlich um das blanke Überleben dreht.
TUYAS HOCHZEIT
ist auch die Geschichte einer starken Frau mit großen Problemen. Und die Geschichte eines Landstrichs, über den man sich hierzulande keine Gedanken macht: den Nordwesten der Inneren Mongolei. Als Tuya im Film einen neuen Mann sucht, kommen sie zunächst in Scharen. Damit wird – quasi nebenher – auch Chinas Problematik des Männerüberschusses abgehandelt. Chinas Ein-Kind-Politik hat dazu geführt, dass unerwünschte Mädchen abgetrieben oder nach der Geburt getötet und Jungen bevorzugt werden. Fakt ist, dass knapp ein Fünftel der Chinesen später keine Frau finden wird. Gedreht wurde der Film hauptsächlich in einem Weidegebiet der Inneren Mongolei in einer der letzten Hirtenfamilien, die ihr dortiges Heimatgebiet noch nicht verlassen haben. Neben der Hauptdarstellerin YU Nan wurden die meisten Rollen von lokalen mongolischen Hirten gespielt. Als die Dreharbeiten zu Ende gingen, waren die Häuser und Einwohner der Gegend nicht mehr zu sehen. Sie sind nicht mehr die stolzen mongolischen Reiter früherer Zeiten, sondern Bauern in den Vorstädten oder fliegende Händler in den Stadtzentren.

WANG Quan’an, Regisseur
Wang Quan’an wurde 1965 in Yanan, Shaanxi, geboren. Nach dem Studium an der Filmhochschule in Peking arbeitete er 1991 für das Xian-Filmstudio und schrieb nebenher Drehbücher. Sein 2000 entstandenes und auf internationalen Festivals ausgezeichnetes Spielfilmdebüt YUE SHI (LUNAR ECLIPSE) war 2002 im Berlinale Forum zu sehen. Sein zweiter Film JINGZHE (THE STORY OF ERMEI) (ebenfalls mit YU Nan in der Hauptrolle) lief 2004 im Panorama der Berlinale. WANG Quan’an hat bisher drei Filme gedreht, die alle die Situation von Frauen thematisieren. Seiner Meinung nach haben Frauen ,,mehr Fingerspitzengefühl. Ihre Reaktion auf einen Vorfall trifft oft den wesentlichen Punkt der aufgeworfenen Fragen. Ich habe vollen Respekt vor Frauen.“ Schon während seines zweiten Films THE STORY OF ERMEI ist ein internationales Drehteam um WANG Quan’an entstanden. Seine Hauptdarstellerin spricht fließend Englisch und Französisch und hat bereits mit ausländischen Regisseuren zusammengearbeitet. Der Kameramann für THE STORY OF ERMEI und TUYAS HOCHZEIT war Lutz Reitemeier aus Deutschland (Kamera u.a. bei Die chinesischen Schuhe, 2004, Die Spielwütigen, 1997–2004, Die Überlebenden, 1994–1996). Er hat sich WANGs Film LUNAR ECLIPSE angesehen.

YU Nan in der Rolle der Tuya
Geboren 1978. YU Nan absolvierte die Filmhochschule in Peking. Als Hauptdarstellerin des Films LUNAR ECLIPSE gewann sie im Jahr 2000 mehrere internationale Preise. 2001 spielte sie die Hauptrolle in dem französischen Film FUREUR. Für ihre Darstellung in THE STORY OF ERMEI gewann sie fast alle chinesischen Preise in der Kategorie ,,Beste Schauspielerin“ 2003 und 2004. Nach TUYAS Hochzeit wird sie auch im vierten Film von WANG Quan’an, TEXTILARBEITERIN, wieder eine Rolle übernehmen.


Lutz Reitemeier (Kamera) Geboren 1963 in Baden-Württemberg, kam Lutz Reitemeier 1998 zum ersten Mal nach China, als er mit der Filmemacherin Solveig Klaßen den Dokumentarfilm JENSEITS VON TIBET drehte. Seitdem hat er in China für drei weitere Dokumentarfilme die Kamera geführt. TUYAS HOCHZEIT ist der zweite Spielfilm, den er mit dem chinesischen Regisseur WANG Quan’an in China gedreht hat. Kennen gelernt haben sich die beiden bei einer Party zum chinesischen Neujahrfest während der Berlinale. Zwei Jahre später präsentierten sie dort ihren ersten gemeinsamen Spielfilm THE STORY OF ERMEI (2003) über eine Zwangsverheiratung.