The Rider

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USA 2017, 104 min
Genre: Drama
Regie: Chloé Zhao
Drehbuch: Chloé Zhao
Kamera: Joshua James Richards
Schnitt: Alex O'Flinn; Sacha Ben Harroche, Bert Hamelinck, Mollye Asher
Musik: Nathan Halpern
Produktion: Chloé Zhao
Darsteller: Brady Jandreau, Tim Jandreau, Lilly Jandreau, Cat Clifford, Terri Dawn Pourier, Lane Scott, Tanner Langdeau, James Calhoon, Derrick Janis
FSK: 12





Nach einem beinahe tödlichen Rodeo-Unfall muss sich der junge Cowboy Brady Blackburn mit der Tatsache abfinden, dass er nie wieder reiten kann, und stürzt in eine existentielle Identitätskrise: Immerhin definiert ihn nicht nur seine Umwelt, sondern vor allem auch er selbst als Sioux-Nachkomme sich vornehmlich über seine Arbeit mit Pferden. Schwer wiegen der abschätzige Blick seines Vaters, der Abschied von seinen enttäuschten Fans und das Fehlen des einzigartigen Gefühls der Freiheit, das ihn auf dem Rücken eines Pferdes durchströmt.

Pressenotiz
In atemberaubenden Bildern der Wildnis South Dakotas erzählt THE RIDER von zerbrochenen Träumen und verlorenen Identitäten. Authentisch und einfühlsam hält der Film die Balance zwischen zärtlicher Poesie, archaischen Mythen und der rauen Lebenswirklichkeit im amerikanischen Heartland. Der tief berührende Film basiert auf den wahren Leben seiner Darsteller. THE RIDER wurde in Cannes mit dem Art Cinema Award sowie mit dem Werner Herzog Filmpreis ausgezeichnet, der Mut, Entschlossenheit und Visionen honoriert..“

ÜBER DEN DREH
Beim Dreh zu ihrem Debütfilm SONGS MY BROTHER TAUGHT ME im Pine Ridge Reservat in South Dakota lernte Chloé Zhao 2014 Brady Jandreau kennen, einen Nachkommen von Lakota-Sioux. Sie war beeindruckt von dem jungen Cowboy mit dem empfindsamen Gesicht, der sich als wahrer Pferdeflüsterer herausstellte. Zhao nahm sich vor, Jandreau in ihrem nächsten Film zu besetzen, hatte allerdings noch keine Vorstellung, worum es in diesem gehen sollte.
Im April 2016 erlitt Jandreau lebensgefährliche Verletzungen, als ein Pferd beim Rodeo auf seinen Kopf trat. Eine Metallplatte musste ihm in den Kopf gesetzt werden und er lag mehrere Tage im Koma, doch schon ein paar Wochen später begann er gegen den ausdrücklichen Rat der Ärzte wieder zu reiten. Zhao traf sich mit ihm und fragte: „Warum tust du das?“ und er antwortete: „Weil ich an meiner Identität festhalten muss.“ Zhao erkannte, dass Jandreau jeden Tag sein Leben riskierte, um der zu bleiben, der er ist, und sie hatte den Stoff für ihren Film.
Im August 2016 schrieb sie ein 60-seitiges Drehbuch, das bis auf wenige Änderungen Jandreaus Erlebnissen entsprach. Der 20-jährige spielt eine leicht fiktionalisierte Version von sich selbst, an seiner Seite agieren seine tatsächliche Familie, seine Freunde und andere Mitglieder der Lakota-Community. So sieht man im Film u.a. auch Jandreaus besten Freund Lane Scott, einen ehemals sehr erfolgreichen Rodeo-Champion, der seit einem Autounfall (im Film ist es ein Rodeo-Unfall) körperlich schwer behindert in einem Pflegeheim wohnt – fast vollständig stumm, lediglich in der Lage, über Zeichensprache zu kommunizieren.
Der Dreh fand im September 2015 in Jandreaus Heimat, dem Pine Ridge Reservat, statt. Das Drehbuch diente lediglich als Gerüst, das Zhao ihre Darsteller bat, mit eigenen Worten und Improvisationen aufzufüllen. Da Jandreau vormittags seiner regulären Arbeit als Trainer für Wildpferde nachging, fand der Dreh fast ausschließlich nachmittags und abends statt. Viele Bilder entstanden zur Magic Hour während der Abenddämmerung, ähnlich wie bei IN DER GLUT DES SÜDENS von Terrence Malick. Genau wie dieser verzichtete Zhao beim Dreh weitgehend auf künstliches Licht. Das Drehteam bestand lediglich aus 5, zeitweise sogar nur 4 Personen.

FilmDienst. (die ausführliche Kritik hier)


ÜBER DIE REGISSEURIN
Chloé Zhao wurde in Peking geboren. Sie besuchte ein Internat in England und studierte anschließend Politikwissenschaft am Mount Holyoke College in Massachusetts. Danach absolvierte sie ein Filmprogramm der New York University. Ihren Debütfilm SONGS MY BROTHER TAUGHT ME entwickelte sie innerhalb des Sundance Screenwriter’s and Directors Lab und konnte als Produzenten u.a. Forest Whitaker gewinnen. Der Film um ein Lakota-Geschwisterpaar in Pine Ridge feierte im Januar 2015 Premiere auf dem Sundance Film Festival und lief im selben Jahr in der Quinzaine des Réalisateurs in Cannes. SONGS MY BROTHER TAUGHT ME war für drei Independent Spirit Awards nominiert.


ÜBER PINE RIDGE
Das Pine Ridge Reservat ist ein Indianerreservat im Südwesten des US-Bundesstaats South Dakota. Es erstreckt sich über eine Fläche von ca. 11.000 km². Das Gebiet wird von Oglala-Lakota – einer westlichen Stammesgruppe der Sioux – bewohnt.
Das Pine Ridge Reservat war ursprünglich Teil des Great Sioux Reservats, das 1868 durch den Vertrag von Fort Laramie begründet wurde und eine 240.000 km²-große Fläche in South Dakota, Nebraska und Wyoming umfasste. Im Lauf der Geschichte wurde das Gebiet von der amerikanischen Regierung jedoch stetig verkleinert. So öffnete sie z.B. 1876 31.000 km² der Fläche des Reservats in den Black Hills für private Interessen. 1889 wurde die übrige Fläche des Great Sioux Reservats in sieben separate Reservate aufgeteilt, eines davon war das Pine Ridge Reservat. Im Jahr 1890 gelangte die Ortschaft Wounded Knee im Reservat zu trauriger Berühmtheit durch das Massaker der US-Armee an Lakota-Indianern, das den Schlusspunkt des Genozids an der indianischen Bevölkerung der Great Plains markiert. Pine Ridge wurde 1911 erneut verkleinert, indem Bennett County als Folge des Allotment Act aus dem Reservat ausgegliedert wurde. Dies wird bis heute nicht von den Oglala anerkannt. Sie machen etwa die Hälfte der Bevölkerung von Bennett County aus, verfügen jedoch nur über ein Drittel des Landes. 1942 beschlagnahmte die amerikanische Regierung 1.383 km² des Reservatsgebietes zur Errichtung eines Bombenabwurf-Testgeländes, genannt „Badlands Bombing Range“. 125 Familien mussten hierzu das Gebiet verlassen. Nach dem Krieg wurden Teile des Gebietes als Artillerie-Übungsgelände verwendet. Mit dem Public Law 90-468 wurden 1968 schließlich 818.91 km² an das Reservat zurückgegeben. Das Gelände war mit Blindgängern übersäht. 2008 gab die US Air Force 1,6 Mio. Dollar für Aufräumarbeiten frei und sprengte am 3. Oktober 2011 die letzten vier bekannten Blindgänger. Die Besitzer der Grundstücke wurden allerdings nie ausreichend entschädigt.

 




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