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Popstar Yak (Kostja Ullmann),
auf dem Höhepunkt seiner Karriere von
einer Sinnkrise geplagt, bekommt überraschend Nachricht von seinem fast
vergessenen Vater. Dieser, vor über 30 Jahren Hals über Kopf in
sein Heimatland Syrien zurückgekehrt, liegt in einem Kölner Krankenhaus
im Koma; und hat Yak eine Überraschung mitgebracht: eine 15jährige
Halbschwester namens Latifa (Safinaz Sattar), die nur Arabisch spricht. Unfreiwillig
vereint begibt sich das Geschwisterpaar auf eine Odyssee quer durch Deutschland.
Die Reise wird zur Suche nach den eigenen Wurzeln, der Bedeutung von (Volks-)Musik;
und der Antwort auf die Frage aller Fragen: was genau ist eigentlich Heimat?

Statement des Filmemachers: »
Die Welt ist ein Rosengarten. Sie ist so schön, daß man
bei ihrem Anblick sterben möchte. Man geht vorbei an den schönen
Rosen und atmet ihren kitschigen Duft und der Stachel bohrt sich ins Fleisch.
Man spürt das Fleisch und den Schmerz. Der Schmerz ist so schön,
daß man leben möchte.«
Diese ersten Notizen zum ROSENGARTEN
machte ich vor über 20 Jahren. Damals gab es noch kein sogenanntes Flüchtlingsproblem – und
kaum jemand hatte jemals von dem gar nicht so fernen Land gehört, aus
dem mein Vater stammt (und in dessen uraltem Staub ich sämtliche Sommerferien
verbringen musste, während sich meine Klassenkamerad*innen am Strand
von Mallorca räkelten). Das hat sich inzwischen auf tragische Weise
geändert. Das Herz meines Herzblut-Stoffes, an dem ich eigentlich schon
arbeite, seit ich denken kann, blieb davon unberührt.
Genau wie meine Mutter wurde ich in Köln geboren; musste jedoch bereits
als Kleinkind lernen, dass ich EIGENTLICH aus Syrien stamme (es ist ja schließlich
mein VATERLAND). In Deutschland galt auch schon vor dem Erstarken der rechtsextremen
AfD für viele: nur wer hellhäutig ist und/oder blonde Haare und
blaue Augen hat, darf dieses Land HEIMAT nennen. Heimat jedoch ist – genau
wie Religion – nichts weiter als ein (für manche nützliches,
für andere tödliches) Konstrukt. Dessen Versatzstücke aber
sind existentiell. Ohne die Ur-Erinnerungen an Gerüche, Gesichter, Farben,
Wörter und Musik gäbe es weder Glück noch Unglück (und
erst recht keine Popkultur). IM ROSENGARTEN ist ein (Anti-)Heimatfilm! Yak
ist zerrissen von der Liebe zur hiesigen Kultur und Natur – und der
Sehnsucht nach Zerstörung aller ihm feindlichen Deutschtümelei.
Seine Schwester Latifa ist hingegen nicht von innen, sondern von außen
zerrissen. Verbindendes Element beider Heimatloser ist das titelgebende Volkslied
(heute würde man sagen: Popsong). So wie das Lied erzählt auch
der Film von Liebe und Abschied. Vom Reisen. Von Jahreszeiten. Klee und Schnee.
Geburt und Tod. Eine schlichte Melodie, ein Genrefilm (hier: Roadmovie);
betörend einfach und vertraut und mannigfach zugleich. Alle Tragik und
Komik des Lebens erklingt in einem kurzen Akkord oder Wort oder Bild. IM
ROSENGARTEN ist die Verfilmung solch göttlicher, kleiner Momente – nicht
mehr und nicht weniger ...
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